Raclette – eine mittelalterliche Erfindung
Schon im Mittelalter brieten Hirten ihren Käse am offenen Feuer, um ein warmes Gericht zu haben. Schriftstücke aus Klöstern in Ob- und Nidwalden belegen, dass bereits um 1290 «Bratchäs» gegessen wurde, wahrscheinlich die damalige Bezeichnung für das Raclette-Gericht.
Zur Entstehung des Raclettes, wie wir es heute kennen, werden verschiedene Geschichten erzählt. Eine besagt, ein Walliser Bergbauer habe einen Käselaib am brennenden Kaminfeuer liegen lassen, der dann schmolz. Eine andere lautet, dass bei einem Haus das Dach des Vorratsraumes abgebrannt sei, worin Käse gelagert war. In der Not wurde der Käse eben geschmolzen von der Dorfbevölkerung weggeputzt. Die älteste genauere Beschreibung eines Raclette-Gerichts steht in einer Walliser Schrift aus dem Jahr 1574.
Eine weltweit bekannte Bratchäs-Geschichte findet sich in Johanna Spyris Bestseller «Heidis Lehr- und Wanderjahre». Dort ist ausführlich beschrieben, wie der Alpöhi am offenen Feuer Käse briet, bis er goldgelb war, ihn dann auf ein Stück Brot als Unterlage legte und es dem Mädchen gab. Schon Heidi ass den butterweich geschmolzenen Käse mit grossem Genuss.
Der Name Raclette stammt aus dem Französischen und weist auf Werkzeuge hin: «la racle», «la raclette» bedeutet übersetzt Kratzeisen oder Schabeisen. Das Verb «racler» bezeichnet das, was man damit macht: abkratzen oder abschaben.
Beim Raclette-Käse handelt es sich um einen Halbhart-Käse aus roher oder pasteurisierter Milch. Der vollfette, würzige Käse ist nach etwa 2 Monaten zartschmelzend und genussreif.
Mein Tipp: besser Käse aus roher Milch wählen und am Stück kaufen oder frisch im Geschäft aufschneiden lassen. Raclette-Käse ist vielseitig einsetzbar und lässt sich auch für pikante Käsetartes, Käsesoufflees oder zum Ueberbacken von Röstis etc. verwenden.